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Newsletter 2022 09 17 - N° 3

Liebe Freundinnen,

schreibend ordne ich meine Gedanken. Insofern ist so ein Newsletter eine sehr egoistische Angelegenheit. Aber ist die Klärung der Gedanken von einzelnen nicht auch in dieser unserer Welt wichtig? Worte sind auch Taten. Man darf mich gerne des Idealismus und des Lebens im Wolkenkuckucksheim bezichtigen. Euer Feedback trägt zu einer noch größeren Klärung meiner Gedanken bei. Vielen Dank!

In diesem Sinne grüße ich Euch herzlich und freue mich über Feeback

Eure Uta-Maria

 

 

1.    Gedankensplitter

 

Umverteilung? - Eigeninitiative und Solidarität im Ausgleich

Brauchen wir nicht viel mehr ein Klima, das Geld verdienen und die Sorge für das eigene Auskommen in den Mittelpunkt stellt?

Jetzt haben wir schon das dritte Leistungspaket und andere Wohltaten kommen ebenfalls aus der Gießkanne. Ich bin absolut dafür, dass man den Bedürftigen hilft und sie stützt. Würde es uns aber nicht auf lange Sicht weiterbringen, wenn wir den Leistungsgedanken, die Freude an der Leistung und über das Geleistete viel mehr in den Mittelpunkt stellen? Sollten wir uns nicht viel mehr ins Gelingen verlieben statt immer vom Mangel zu sprechen? Leistung macht doch stolz und stolze Bürger erzeugen ein anderes Klima, sie sind zufriedener, gesünder und sorgen besser für die Zivilgesellschaft.

 

Wie schaffen wir eine gute Zukunft?

Ich glaube, dass es wichtig ist, mit unseren inneren Wünschen und Sehnsüchten in Kontakt zu kommen und diese dann zu verwirklichen. Ich meine nicht Wünsche wie ein schönes Auto, das Ferienhaus oder ähnliches. Nein, ich denke an Frieden, an Selbstentfaltung, an inneren Wachstum und solche Dinge. Wir sind so näher bei uns, sind bescheidener aber gleichzeitig auch zentrierter in unserer Kraft.

Ein Nebenprodukt ist dann auch der gegenseitige Respekt und das menschliche Maß. Genau das hilft uns doch zu leben und maßvoll zu sein. Schon die Griechen sprachen von den „mesotes“, dem Maßhalten. Wir stärken die Mitte damit.

Seitdem ich Pilates mache, weiß ich um die Bedeutung des Beckenbodens für die Zentrierung und Steuerung der Bewegungen. Man mag mich verrückt und komplett spinnert halten, aber ich glaube, dass dieses Spüren eine gute Ausgangslage für manche Überlegungen wäre. Wir würden aus unserer Mitte und aus unserer Kraft heraus handeln und hätten viel mehr Energie für unser Leben und eine bessere Zukunft.

Und wir wären damit ganz in der Realität der Sinne und des Körpers. Wir wären weniger anfällig für Sucht, Übertreibungen und Extremismus.

 

 Wir schimpfen immer nur auf Putin – müssen wir nicht auch selbstkritisch sein?

Mich beschäftigt dieser Ukraine-Krieg und nimmt mich mit. Ich bin gewiss keine Putin-Freundin. Er ist der Aggressor und zerstört Menschen, Werte und das Recht auf die politische Selbstbestimmung eines Landes. Aber diese monopolare Sicht aus der Position der moralischen Überlegenheit in den Medien stört mich. Ich glaube, dass das nicht für Verhandlungen förderlich ist. Ein hierarchisches Gefälle erzeugt kein symmetrisches Setting. Sollten wir nicht viel mehr nach einem psychologischen Zugang suchen und so Verhandlungen auf Augenhöhe ermöglichen? Das wirtschaftliche Gleichgewicht auf dem Globus hat sich verändert. Der Krieg ist ein Ausdruck davon. Aber gibt es nicht andere Mittel hier ein Miteinander herzustellen? Vielleicht können wir dann einen Kompromiss im Sinne der ausbalancierten Unzufriedenheit frei nach Henry Kissinger erzielen? – aber ich wiederhole mich, im letzten Newsletter schrieb ich ganz ähnliches.

 

 

Armut

Die Themen Reichtum und Armut beschäftigen mich schon lange. Reichtumsgedanken machen reich und Armutsgedanken arm. Es ist nicht nur die materielle Komponente, die eine Rolle spielt. Bezieht man Armut auf das rein Materielle, dann sehen wir uns nur als Konsumenten und Verbraucher, dann gibt es keine Balance von Preis und Werten. Wir sind ausgeliefert und Opfer und fühlen uns arm. Wenn wir die eigenen Lebensumstände nicht mehr beeinflussen, dann sind wir in jeder Hinsicht arm. Glauben wir jedoch an die Möglichkeit der Wahl, der Eigeninitiative, der Leistung und des Einflusses, dann sind wir reich. Dann bestimmen wir unser Schicksal selbst und handeln als mündige Bürger einer Zivilgesellschaft.

15% der Kinder in Deutschland sind armutsgefährdet. Sie können sich Bildung nicht aneignen und damit nicht ihr Leben und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Deswegen denke ich, dass wir neben einer materiellen Unterstützung der Familien vor allem eine gute Bildung benötigen, eine Bildung, in der Lehrer sich um die Kinder bemühen, wo sie gefördert, gestützt, ermutigt werden, eine Bildung, bei der die Kinder Erfolgserlebnisse haben und das in einem umfassenden Sinne im Bereich des Intellekts aber auch von Kunst, Sport, Kreativität und Gemeinschaft. Wir bereichern damit unsere Zivilgesellschaft und damit auch unsere Volkswirtschaft. – Aber hier kommt sicher der Einwand, dass ich im Wolkenkuckucksheim wohne und trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung. Bildung erzeugt innere Bilder und die Fähigkeit der Wahl von Möglichkeiten und damit eben Reichtum.

 

 

2.    Treibgut – des trouvailles

 

Armut in Indien und China

§  In Indien leben nach Angaben von SOS-Kinderdorf zwei Drittel der Menschen in Armut und müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen – das sind mehr als 930 Millionen Menschen.

§  In China ist fernab der glitzernden Metropolen noch immer ein Großteil der Bevölkerung in Armut gefangen. Das Netto-Durchschnittsgehalt in den ländlichen Regionen beträgt 7,50 Euro am Tag.

The Pioneer Briefing Business Class Edition [email protected] vom 6. 9. 2022

 

 

3.    Eduard Mörike: Auf ein Ei geschrieben

 

Ostern ist zwar schon vorbei,

Also dies kein Osterei;

Doch wer sagt, es sei kein Segen,

Wenn im Mai die Hasen legen?

Aus der Pfanne, aus dem Schmalz

Schmeckt ein Eilein jedenfalls,

Und kurzum, mich tät’s gaudieren,

Dir dies Ei zu präsentieren,

Und zugleich tät es mich kitzeln,

Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.

 

Die Sophisten und die Pfaffen

Stritten sich mit viel Geschrei:

Was hat Gott zuerst erschaffen,

Wohl die Henne? wohl das Ei?

 

Wäre das so schwer zu lösen?

Erstlich ward ein Ei erdacht:

Doch weil noch kein Huhn gewesen,

Schatz, so hat’s der Has gebracht.

 

Oder in meinen Worten: bringt das lineare Denken denn was?