Newsletter –
pour mes amies
Stand 2022 08 24 – Nr. 2
Liebe Freundinnen,
hier kommt nun der nächste Newsletter mit meinen Gedanken, Impressionen und etwas Treibgut. Viel Spaß beim Lesen!
Eure Uta-Maria
1. Gedankensplitter
Dieser entsetzliche Ukrainekrieg – ein paar Gedanken zum Frieden
Man mag mich für naiv halten, aber ich meine, dass denken hilft und dass einmal gedachte Dinge auch eine Wirkung haben und wenn sie noch so versteckt und abwegig sind. Und so schildere ich einige Gedanken zu diesem Krieg.
Ich bin der Meinung, dass der Ukrainekrieg nur ein Stellvertreterkrieg ist und zwar der autokratischen Regime von Russland und China und den westlichen Demokratien. Es geht um sehr viel mehr als die russische Beeinflussung der Ukraine. Dahinter steht Ji Jin Ping, der die Vorherrschaft in der Welt anstrebt. Putin ist für ihn ein nützlicher Strohmann. Aber auch der Westen setzt sein System im Umgang mit Russland als absolut, als per se höherwertig und moralisiert. Moralisieren ist meist eine der letzten Waffen und verhindert das Gespräch auf Augenhöhe. Gesprächstechnisch liegt beinahe eine spiegelbildliche Situation vor. Wir agieren mit Abwertung. Schon Obama nannte Russland eine Regionalmacht, was Putin ganz sicher maßlos verletzt hat und aus dieser Position heraus agiert er nun. Militärisch ist er zwar keine Weltmacht mehr, dafür aber energiepolitisch und das spielt er aus. Menschen wollen nicht geschmäht und hochmütig behandelt werden, sie verweigern dann den Dialog, was keine gute Ausgangslage für einen Friedensprozess ist.
Ich spreche hier ganz sicher nicht pro Putin, aber ich denke, dass wir darüber nachdenken sollten, wie wir Frieden schaffen können. Vielleicht sollten wir die aktuellen Grenzen anerkennen und keine Kriege um ihre Veränderung führen? Wer weiß, es sterben dabei ganz sicher weniger Menschen. Und vielleicht sollten wir uns auf den alten außenpolitischen Strategen Henry Kissinger besinnen, der die ausbalancierte Unzufriedenheit als Grundlage für seine Verhandlungen annahm.
In diesem Konflikt kann keiner gewinnen, egal wie wir es drehen. In meinem letzten Newsletter habe ich als Subtext der Politik eine Skalierung zwischen gesellschaftspolitischen Polen beschrieben. Auch in diesem Krieg gibt es zwei Pole und Frieden schafft man nur durch Kompromisse. Mit einer moralisierenden monopoloren Haltung kommen wir sicher nicht weiter.
Argumentation aus der Betroffenheit heraus
Ich beobachte seit einigen Jahren eine Emotionalisierung in der politischen Debatte. Gefühle steuern zunehmend die Diskurse und nicht Fachwissen und eine gewisse Abgeklärtheit. Argumentationen aus der Betroffenheit helfen m.E. nicht weiter. Sie sind in meinen Augen monopolar, monodimensional und wollen mit moralisierendem Druck etwas erreichen. Es fehlt die Distanz und der Blick aufs Ganze. Es gibt m.E. immer mehrere Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt. Ich denke, dass etwas Rationalität und eine Skalierung eher zum Ziel führen.
Fokussierung - gedehnte Zeit
Im Ruhestand muss ich mich neu erfinden. Oft habe ich das Gefühl, dass mir die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt. Ich mache hier etwas und dort und schon ist der Tag vergangen und ich frage mich, was ich eigentlich gemacht habe. Indem ich mich auf eine Sache fokussiere und mich konzentriere, habe ich dieses Gefühl nicht mehr. Die Zeit dehnt sich, ich vergesse sie und bin danach entspannt. Das kann mir beim Kochen oder Putzen passieren, bei der Gymnastik abends, beim Schreiben oder Malen oder auch im Gespräch. Das ist dann die Königsdisziplin.
Umgang mit Vielfalt - Ambiguitätstoleranz
Die Gesellschaft driftet auseinander, der gemeinsame und geteilte Kern von Werten und Haltungen nimmt ab. Die digitalen Medien haben eine solche Vielfalt erzeugt, dass es oft schwer ist, noch den eigenen Kompass zu haben und sich zu orientieren. Diese Vielfalt und die damit verbundenen Anforderungen machen auch teilweise Angst. Wie soll man all das bewältigen? Viele Menschen reagieren mit Abwehr oder mit krausen Erklärungsversuchen, wenn sie sich nicht ganz abschotten. Viele verstehen diese neue Welt nicht und fühlen sich wertlos, abgewertet, am Rande. Sie kennen die Spielregeln nicht mehr, sie kommen nicht mehr mit. Schon der Kauf eines Tickets für die Bahn kann solche Gefühle erzeugen. Ich glaube, dass es in der Politik wichtig ist, dass wir auch diejenigen mitnehmen, die da ihre Schwierigkeiten haben und ihnen in der Gesellschaft vermitteln, dass sie trotzdem wertvolle und geschätzte Mitbürger:innen sind.
2. Treibgut – des trouvailles
Weltwirtschaft – Verschiebungen zwischen Ost und West
Eine gigantische West-Ost-Verschiebung ist im Gange: Stellten die G7-Staaten vor 20 Jahren noch die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung, sind es heute nur noch 30 Prozent.
Zugleich stieg der Anteil Chinas am Welt-BIP auf 18 Prozent und schon jetzt entfällt rund 30 Prozent des globalen Wachstums auf das Reich der Mitte.
The Pioneer Briefing vom 1. 8. 2022
3. Letzte Seite – de la poésie
Vom Nichts – Bärbel Bereth
Gehalten werden
im unendlichen Raum
aus lebendigem Schwarz
das tiefer Ton ist
und bleibt
der Kraft lauschen
und nichts ahnen
als ihren Mittelpunkt.
Erst klein sein
im großen Nichts
nur sein
dann sich verbinden
und langsam ausdehnen
in alles was ist
und es füllen.